Katabasis
- Franziska
- 3. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
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„Katabasis“ von Rebecca F. Kuang ist wohl das mit Abstand heißersehnteste Buch des Jahres für mich gewesen. Ich habe mich sehr gefreut, dass wie auch bereits bei Babel Alexandra Jordan und Heide Franck den Übersetzungsauftrag erhalten haben - denn die beiden im Duo? Traumkombi! Gerade für ein Werk von Kuang.
Natürlich ist „Katabasis“ nicht „Babel“ - „Babel“ war ein Meisterwerk und für mich ein absolutes Highlight. Und obwohl die Bücher von der selben Autorin stammen, fällt es mir schwer, die beiden wirklich miteinander zu vergleichen - und gleichzeitig genauso schwer, es nicht zu tun. Aber mal ganz losgelöst von „Babel“ betrachtet ist „Katabasis“ ein unglaublich vielschichtiger und fantastischer Roman. Der Fantasy-Aspekt kommt hier deutlich stärker durch. Die Reise von Alice und Peter in die Hölle mit Hilfe von Pentagrammen und weiteren magischen Elementen, die sich durch die Geschichte weben, sind spürbar präsenter als das Fantastische in „Babel“. Auch die Liebesbeziehung, die Emotionen, die Tension … all das rückt Kuang stärker in den Fokus. Ich habe das Gefühl, das macht das Buch vielleicht noch für eine breitere Masse greifbarer. Zugleich lässt sich die Autorin aber natürlich nicht nehmen, auf eine intensive und vielschichtige Art und Weise Wissenschaft, Philosophie und zuweilen politische Elemente und Gedankenzüge miteinander zu verweben. Es ist intensiv - auch wenn einem das direkte Verständnis für manche Theorien und Ansätze fehlt. Es macht Spaß, sich in die Gedankenkonstrukte der Protagonisten zu wühlen, zu versuchen das nachzuvollziehen, was für beide wie natürlich scheint. Zugleich lässt die Autorin den Lesenden offen, tiefer durch eigene Recherchen in die Handlung einzutauchen und sich weiter darin zu verlieren. Wo dem ein oder anderen die Handlung vielleicht trocken und langgezogen erscheint (und ich auch kurz davor war, so zu denken), habe ich darin vielmehr die Tiefe gesehen. Auf welche immense Art Kuang so viel Tiefgang und Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen legt. Welche Wirkung die Rückblicke in der Geschichte bieten. Wie diese auf die „normale Welt“ übertragbar sind. Ich bin mir sicher, dass dieses Buch mit jedem Mal, dass es gelesen wird, weitere Schichten auftut. Über die menschliche Spezies und gesellschaftliche Konstrukte. Beziehungen und philosophische Theorien. Über so viel mehr und doch vielleicht auch weniger, weil man sich darin verlieren kann und irgendwann selbst in diesen Strudel gelangt, den man durch Alice und Peter auf den knapp 650 Seiten erlesen hat.
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